Technische Universität Wien
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Sabine Theresia Köszegi

Ihr Name und Ihr Titel

Sabine T. Köszegi, Univ.Professorin, Professorin für Arbeitswissenschaft und Organisation am Institut für Managementwissenschaften der TU Wien

Geburtsjahr und Geburtsort

1970 in Wegscheid, Deutschland

Ihr Studium und eventuell Ihre spezielle Studienrichtung.

Ich habe Betriebswirtschaft in der Wirtschaftsuniversität in Wien und an der University of Illinois studiert. In den USA habe ich mehrere Kurse über Organisationstheorien und -forschung besucht und bin dabei zum ersten Mal mit sehr spannenden Ideen, beispielsweise von Karl Weick konfrontiert worden. Er beschreibt Organisationen als „Sinnstiftende Systeme“. Damals entdeckte ich meine Leidenschaft für komplexe soziale Systeme. 

Was ist Ihr Forschungsschwerpunkt und wie sind Sie zu ihm gekommen?

Ich erforsche mit meinem Team Strukturen, in denen Arbeit heute stattfindet. Sowohl die Rahmenbedingen, wie etwa Globalisierung und neue Informations- und Kommunikationstechnologien, als auch das Menschenbild haben sich seit dem Beginn der Managementforschung am Anfang des 20. Jahrhunderts drastisch verändert. Während zunächst Mitarbeiter in den frühen Managementtheorien entweder unmündig oder ausschließlich ökonomisch-rational motiviert charakterisiert wurden, werden seit der Bewegung der „Humanisierung der Arbeit“ auch soziale Bedürfnisse und komplexe Motivstrukturen von Menschen – z.B. Menschen als sinnsuchende Wesen - anerkannt. In den neueren Diskursen zu Management und Führung finden auch die Themen Macht, hegemoniale Geschlechterordnung und Kontrolle verstärkt Eingang. Mit meinem Team arbeite ich an Themenstellungen, die sich aus dem veränderten Menschenbild auf der einen Seite und aus den konkreten Herausforderungen einer modernen Wirtschaft auf der anderen Seite ergeben. Aktuelle Forschungsprojekte beschäftigen sich beispielsweise mit dem Zusammenhang zwischen Aggression und Diskriminierung in Organisationen mit besonders ausgeprägten Kulturen oder mit organisationaler Konfliktbewältigung und verschiedenen Zugängen zur Unterstützung von Konfliktlösungsprozessen im Management.

Was waren wichtige Ereignisse, Personen oder Gegebenheiten, die Ihren wissenschaftlichen/beruflichen Weg begleitet haben und Sie dazu geführt haben, was Sie heute machen?

Eine ganz wichtige Person dafür ist meine Mutter. Sie wurde als 7. von 9 Kindern auf einem Bauernhof im Mühlviertel kurz vor dem zweiten Weltkrieg geboren. In der Nachkriegszeit mussten sie und ihre Schwestern für ihren einzigen Bruder zu Hause am Bauernhof arbeiten, um ihm eine politische Karriere in Oberösterreich zu ermöglichen. Meine Mutter und ihre Schwestern hatten – da ihnen Bildung verwehrt wurde – damals nur drei Möglichkeiten: entweder ins Kloster zu gehen, auf dem Bauernhof zu Hause als Magd zu dienen, oder einen heiratswilligen Mann zu finden, dem sie dann allerdings ausgeliefert waren. Meine Mutter aber auch mein Vater haben mich immer sehr darin bestärkt, dass eine gute (Aus-)Bildung eine wesentliche Voraussetzung für meine Selbständigkeit und Unabhängigkeit ist.

Meine Neugier und mein Drang, den Dingen auf den Grund zu gehen, haben mich bewogen, mich nach drei Jahren Praxiserfahrung nach dem Studium, für eine Doktoratsstelle an der Universität Wien in meinem „Lieblingsfach“ Organisation zu bewerben. Ich hatte damals das Glück, mit dieser Stelle auch einen akademischen Mentor gefunden zu haben. Mein Doktor- und Habilitationsvater, Rudolf Vetschera, hat mich entlang meiner akademischen Laufbahn immer darin bestärkt und unterstützt, meinen eigenen Weg in der Forschung zu finden. 

Glauben Sie, dass Ihr bisheriger Berufsweg beeinflusst wurde davon, dass Sie eine Frau sind? Was ist Ihnen aufgefallen?

Ja, auf jeden Fall! Geschlechteridentitäten spielen natürlich eine bedeutende Rolle bei Begegnungen mit anderen Menschen, und selbstverständlich auch wenn Menschen sich in ihren Rollen im beruflichen Alltag, als Studierende, Lehrende, MitarbeiterInnen, Vorgesetzte, etc. begegnen. Joan Acker, eine amerikanische Soziologin, hat sich in ihrer Forschung zur Gläsernen Decke sehr ausführlich damit beschäftigt, wie in Organisationen die hegemoniale Geschlechterordnung auf individueller aber auch struktureller Ebene immer wieder perpetuiert wird. Sie hat den Begriff „gendered organizations“ geprägt.

Wie sehen Sie die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben in ihrer Situation? Was unterstützt die Vereinbarkeit?

Obwohl Ihre Frage natürlich verschiedene Aspekte einschließt, möchte ich hier gerne die Vereinbarkeit von Beruf und Familie reflektieren, weil diese mich derzeit sowohl in meiner Forschung als auch privat beschäftigt. Für die Vereinbarkeit von Beruf- und familiären Verpflichtungen gibt es wesentliche Voraussetzungen auf drei unterschiedlichen Ebenen: (1) Gesellschaftliche Rahmenbedingungen, wie die Bereitstellung von ganztägigen/ganzjährigen Kinderbetreuungseinrichtungen für berufstätige Eltern aber auch die Wertschätzung von Frauen in der Gesellschaft, die sich entschieden haben – aus welchen Gründen auch immer – arbeiten zu gehen. (2) Auf der Seite des Arbeitgebers sind es Rahmenbedingungen, die eine räumliche und zeitliche Flexibilisierung von Arbeit ermöglichen. Dies schließt auch langfristige Karrieremodelle ein, die Eltern- und Bildungszeiten berücksichtigen. Darüber hinaus bedarf es aber auch in Organisationen der Wertschätzung von veränderten Lebenskonzepten ihrer MitarbeiterInnen, d.h. es bedarf der Etablierung einer positiven Life-Balance Kultur. (3) Auf der individuellen Ebene erfordert die Vereinbarkeit von Beruf und familiären Verpflichtungen die Fähigkeit konfliktäre Interessen zwischen den Eltern so gut wie möglich auszugleichen und Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.Wenn ich meine eigenen Erfahrungen als Professorin und Mutter eines 3-jährigen Kindes reflektiere, fällt mir auf, dass zwar mittlerweile die strukturellen Rahmenbedingungen für eine Life-Balance zumindest zum Teil umgesetzt sind (Kinderbetreuungseinrichtungen für unter 3-jährige, einkommensabhängiges Karenzgeld, flexible Arbeitszeiten, etc.) aber die genauso wichtigen Veränderungen in der Wahrnehmung und Wertschätzung von berufstätigen Eltern noch weit hinter idealen Rahmenbedingungen hinterherhinken.

Haben Sie eine Empfehlung aufgrund Ihrer beruflichen Erfahrungen, die Sie weitergeben möchten?

Klar: aufstehen, sich einmischen und mitgestalten.


Interviewdatum: Jänner 2011


http://www.imw.tuwien.ac.at/aw/staff/sabine_t_koeszegi/

Medienberichte/Pressetexte:

http://derstandard.at/1392686286854/Vertrauen-ist-besser-als-Kontrolle

http://science.orf.at/stories/1684093/

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