Technische Universität Wien
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Sibylla Zech

Ihr Name und Ihr Titel

Sibylla Zech, Univ.Prof. Dipl.-Ing.

Geburtsjahr und Geburtsort

1960, Feldkirch

Ihr Studium und eventuell Ihre spezielle Studienrichtung

Zunächst überlegte ich Architektur studieren, interessierte mich aber mehr für Siedlungen, Dörfer, Städte und Regionen als für einzelne Gebäude. Über die Berufsberatung in der Schule erfuhr ich, dass es „Raumplanung“ als eigenes Studium gibt. Damals existierten Studienprogramme in Wien, Zürich und Berlin, auch Paris kam in Frage. Ich entschied mich für die Technische Universität Wien, wo die Studienrichtung Raumplanung erst vor ein paar Jahren gegründet worden war. Mich hat von Beginn an beeindruckt, dass das Studium sehr breit angelegt war. Es gab damals lange Diskussionen unter uns Studierenden, in denen wir uns für die interdisziplinäre Ausrichtung der Raumplanung und praktische Projektarbeit stark machten. 

Was ist Ihr Forschungsschwerpunkt und wie sind Sie zu ihm gekommen?

Ich beschäftigt mich mit der Gestaltung regionaler Räume und den damit verbundenen Aspekte der Politik, der Bildung von Netzwerken und der Beteiligung von BürgerInnen an Entscheidungen, genauso aber auch mit Stadtplanung und Gemeindeentwicklung. Aktuell spielt als neues Thema „Energie und Raum“ eine besondere Rolle in meinen Arbeiten. Dabei geht es um eine energie- und ressourcenschonende Planung von städtischen und ländlichen Regionen. Welche Siedlungsstrukturen und welche Verkehrssysteme sind energiesparend? Welche Potenziale für erneuerbaren Energien gibt es in unseren Regionen und Städten? Welche Instrumente und Partnerschaften können wir für eine energiebewusste Stadt- und Raumentwicklung nutzen?

Was waren wichtige Ereignisse, Personen oder Gegebenheiten, die Ihren wissenschaftlichen/beruflichen Weg begleitet haben und Sie dazu geführt haben, was Sie heute machen?

Ganz unvorbelastet war meine Berufswahl nicht. Mein Vater war Mitglied im Raumplanungsausschuss in Nenzing, wo ich aufgewachsen bin, und die dort geführten Diskussionen fanden dann am Mittagstisch ihre Fortsetzung. Auch meine Mutter - begeisterte Gärtnerin und Kennerin von Natur und Landschaft - hat mein Interesse an Raum und Umwelt gefördert. In der Schule und bei uns jungen Leuten war Ende der 70er Jahre das Umweltthema generell wichtig geworden, die starke Siedlungs- und Verkehrsentwicklung war offensichtlich und spürbar, man wollte an der Gestaltung der Zukunft mitwirken. Ich habe dann während des Studiums diverse Praktika und Nebenjobs in Planungsabteilungen und Planungsbüros gemacht, was weiter motiviert hat, am Thema Raumplanung dran zu bleiben. Wichtigster Lehrer an der Universität war für mich Ralph Gälzer, Professor für Landschaftsplanung. An seinem Institut arbeitete ich dann auch als Assistentin, bevor ich mich gemeinsam mit Alfred Eichberger, Rudi Alge und Thomas Loacker 1991 selbstständig machte. Unser Büro stadtland ist die eine Hälfte meines Berufslebens, meine 50% Professur an der TU Wien, die andere.

Glauben Sie, dass Ihr bisheriger Berufsweg beeinflusst wurde davon, dass Sie eine Frau sind? Was ist Ihnen aufgefallen?

Bei der Wahl des Schultyps hat sicherlich noch eine Rolle gespielt, dass ich ein Mädchen war. An der HTL oder im realistischen Zweig des Gymnasiums waren nur Buben, also wählten wir Mädchen neusprachlich“, worüber ich heute froh bin. Schließlich war das ganz und gar kein Hindernis, an einer Technischen Universität zu studieren. Für mich persönlich war und ist es nichts ungewöhnliches Ingenieurin (geworden) zu sein. Mittlerweile beträgt der Anteil von Studentinnen meinem Fachgebiet rund 50 %, dennoch lassen sich die Planungsbüros in Österreich, die von Frauen geführt werden, an den Fingern abzählen. Nur rund 14% der ProfessorInnen in unserer Fakultät Architektur und Raumplanung sind Frauen, an der TU insgesamt gar nur rund 8%. Was mir bei Bewerbungen auffällt: Frauen treten fast durchwegs weniger selbstbewusst als Männer auf. Auf die Frage nach spezifischen Projekterfahrungen oder Kenntnissen sagen Bewerberinnen etwa: „Damit habe ich auch schon mal etwas zu tun gehabt, aber nicht soviel“, während Männer – oft selbstüberschätzend - meinen: „Klar, da habe ich schon einiges gemacht."

Wie sehen Sie die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben in ihrer Situation? Was unterstützt die Vereinbarkeit?

Meine Familie, mein Freundeskreis und mein Lebenspartner haben meinen Berufsweg immer mitgetragen, sodass er sich eher von alleine ergeben hat. Wir haben uns nicht für Kinder entschieden und das nicht aus beruflichen Gründen, was aber natürlich die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben erleichtert, denn ich bin beruflich sehr viel in Stadt und Land und auch im Ausland unterwegs.

Haben Sie eine Empfehlung aufgrund Ihrer beruflichen Erfahrungen, die Sie weitergeben möchten?

Ich versuche bei unseren Planungs- und Forschungsprozessen die üblicherweise männlich geprägten Berufsumfelder, Gremien und Arbeits- und Projektgruppen möglichst zu diversifizieren – mehr Frauen, mehr jüngere oder auch ältere Menschen und Leute von Außen hereinzuholen. Das hebt die Qualität der Kommunikation und der Ergebnisse  beträchtlich.


Interviewdatum: 2. März 2011


Medienberichte/Pressetexte:

https://www.tuwien.ac.at/aktuelles/news_detail/article/5912/

https://www.femtech.at/user/11468

http://www.salzburg.com/nachrichten/salzburg/politik/sn/artikel/raumordnung-das-desaster-auf-der-gruenen-wiese-54887/

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