Technische Universität Wien
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Uta Wiegele und Ursula Hofbauer (14.10.1987 wiedergewählt: 4.11.1988 - 7.11.1989)

Zwei gleichberechtigte Referentinnen

In der 2. Ordentlichen Hauptausschusssitzung der HTU vom 14.10. 87 wurden Uta Wiegele und Uschi Hofbauer als 2 gleichberechtigte Referentinnen für das Frauenreferat gewählt. Es gab 3 Enthaltungen und 9 Prostimmen. Im Bericht der Frauenreferatstätigkeiten für 87/88 finden sich:

·         Abhalten der Sprechstunden

·         Organisation und Konstitution einer sich regelmäßig treffenden Frauengruppe

·         Kontakte zu anderen Frauenreferaten und Frauengruppen österreichischer Universitäten

·         Mitarbeit bei gesamtösterreichischen Frauenbelangen; Statistiken und Interviews für eine österreichweite Broschüre über die Studienbedingungen für Frauen an den Universitäten

·         Vorbereitung für eine Vortragsreihe der Assistentinnen der Arch.-Fakultät

·         Vorbereitung für eine Foto-Ausstellung (WS 88)

·         Vorbereitung für ein Frauentutorium an der techn. Universität

·         Organisation und Abhaltung eines sehr erfolgreichen Seminars für Motor- und Fahrwerkstechnik (11.6.; 12.6.:18.6.;19.6.)

·         Organisation eines weniger erfolgreichen Selbstverteidigungskurses

Konkreter zu den einzelnen Aktionen, wieder ein HTU-INFO  (02/88 vom 13.1.88 Mitte des Heftes) “Hilfe, die Frauen kommen! Warum eine Frauengruppe an der TU?”

·         Es wird über ein Treffen am 9. Dezember geschrieben, bei dem 12 Frauen aus den Studienrichtungen Architektur, Informatik, Lehramt, Raumplanung und Landschaftsökologie (Boku) vertreten waren. In diesem Treffen fiel den Frauen folgendes auf:

·         Auf der TU gibt es eine einzige Studienrichtung, in der überwiegend Frauen studieren, nämlich Lehramt. Warum wählen Frauen vorzugsweise einen sozialen Beruf?

·         Gerade auf der TU gibt es mehr Studienabbrecherinnen als Studienabbrecher – warum?

·         Nicht selten werden Frauen von Professoren oder ihren “Kollegen” diskriminierend behandelt.

·         Wieso sind so wenige Architektinnen namhaft bekannt?

·         In einem Amt des Bundes erfahren Landschaftsgestalterinnen bei der Bewerbung: ”Frauen nehmen wir nur für Schreibarbeiten.” Man zweifelt also an der Fähigkeit und der Intelligenz der Frauen; trotz gleicher Ausbildung sind unsere Chancen geringer

Allgemeine Beobachtungen zur Situation der Frauen waren z.B.:

Frauen trauen sich weniger Kompetenz zu, lassen sich leichter einschüchtern, stellen ihr Licht unter den Scheffel.

·         Warum lassen sich so viele Frauen in ihre Hausfrauenrolle drängen? Etc. etc.

Es werden dann Fragen an Frau gestellt, die alle mit Was bedeutet mein Frausein... beginnen und die Artikelschreiberin Irmi schreibt dann noch über die Treffen und was so im nächsten Jahr im Frauenreferat passieren soll. Dann widmet sie sich noch der Kritik der Männer, die sich fragen, ob Frauenpolitik denn nötig sei, die Probleme können doch nur von den Männern und den Frauen gemeinsam gelöst werden. Die Aussage  Die Frauen werden sich jedenfalls nicht von den Männern vorschreiben lassen, wie sie diese Situation zu lösen haben”, beendet den Artikel.

Es gab damals auch Aktivitäten seitens der Stattatssekretärin für Frauenfragen Johanna Dohnal, die die existierenden Fraueninitiativen zu vernetzen und sie lud auch immer wieder zu Veranstaltungen ein, wie am 8. März ins Staatssekretariat oder zu Frauenenqueten. Sie gründete im Jänner 1987 auch einen Sexismus-Beirat gegen diskriminierende Werbung. Eine Zeitschrift mit Aktivitäten der Frauenstaatsskretärin mit dem Titel Informationsblatt für Frauen wurde ebenso an die HTU verschickt.

Im Juni 1988 Kurz vor den Sommerferien ist den Schreibern des Editorials des HTU-Infos der Kopf in die Hose gesackt. Das Frauenreferat reagiert mit einem unterstützenden Weiterbildungsprogramm, Seminar- und Literaturtipps. (HTU Info20/88 vom 27.6.88 S. 5)

Das Frauenreferat war mit Plakaten und Aushängen ziemlich präsent und einige dieser Aushänge wurden gut archiviert und stehen hier zur Verfügung.

Uschi und Uta feminisieren das ÖH Logo und laden Frauen in die HTU Frauenecke ein. Im HTU-Info 2/88 wird auch eingeladen sich an der Architektinnengruppe zu beteiligen.

Einladung zum Frauentreffen am 29.Jänner 1988 um 17 Uhr.

Das Frauenreferat und die Frauengruppe Architektur trifft sich regelmässig jeden 2. Freitag im Monat: Einladung.

Ein spezielles Angebot für Fotografinnen und diejenigen, die die Fotos selbst entwickeln wollen.

Ein tolles Angebot: der Motoren-Workshop für Frauen. Ein beliebtes Angebot, das es noch heute in Form von TechNIKE Kursen an der Koordinationsstelle für Frauenförderung und Gender Studies gibt!

Ein Text, der vielleicht für ein HTU-Info geschrieben wurde, oder als Ankündigung der zweiwöchentlichen Frauentreffen.

Noch wissen nicht alle, was denn Frauenforschung sei und manche haben sehr seltsame Vorstellungen davon, wie auch ein Brief eines Professsors der Wirtschaftsuniversität belegt, der an die Wiener Frauenreferate verteilt wurde, um gegen solche Ansichten zu protestieren.

Der Tätigkeitsbericht des Frauenreferates ist wirklich umfassend und begründet die Abendjournaldienste mit dem Ziel berufstätige Studentinnen zu beraten, weiters, dass die Sprechstunde für Sozialfragen, die fast immer in Zusammenhang mit Frauenaliegen auftritt und dass es daher nicht ideal ist die Sozialberatung zu anderen Zeiten anzubieten. Weiters werden diverse Arbeitskreise genannt, der Feminismus-Arbeitskreis, der Feminismus-Sexualitäts-Arbeitskreis und ein Massagekurs und ein Selbstverteidigungskurs. Das Frauenreferat fuhr zum bundesweiten Koordinationstreffen und eine Elterninitiative Krabbelstube formiert sich und sucht Räumlichkeiten für eine private Kinderbetreuung.

Auch eine Gruppe "Ledige Mütter" entsteht und die Öffentlichkeitsarbeit sowie ein Tag der offenen Tür wird noch beschrieben.

Vortragsserie “acht ansichten phil-arch”

Viel Vorbereitung verlangte die Vortagsserie “acht ansichten phil-arch”. Im Zeitraum vom 9. März bis 19. Juni 1989 fand auf der Technischen Universität die Vortagsserie “phil-arch” in deren Rahmen 4 Architektinnen und 4 Philosophinnen ihre Arbeit darstellten statt. Organisiert wurde diese Veranstaltung von Uta Wiegele, Inge Manka und Usch Hofbauer, die alle drei auf der Fachschaft Architektur tätig waren, die Aussendungen auf Hochschülerschafts-Papier mit Frauenreferat im Briefkopf geschrieben und darunter stand dann Fachschaft Architektur. Die Termine der Vortragsreihe waren laut einer Ankündigung:

do 9.3. 89 eva meyer dr. phil      “gelandete horizonte”

mo 13.3.89 maria auböck arch.dipl.ing “werkvortrag”

mo 10.4.89 ina horn mag.phil “elemente einer politischen Architektur”

mo 24.4.89 elsa prochazka mag.arch “werkvortrag”

mo 8.5.89 uli oberheber mag.phil “stadtplan-schaltplan über ziegel und logische bausteine”

mo 22.5.89 gertraud auer mag.phil “wekvortrag”

mo 5.6.89 gerda ambros mag.phil. “pyramidentexte”

mo 19.6.89 franziska ullmann arch.dipl.img “werkvortrag”

die Vorträge waren jeweils um 19:00 im Aktzeichensaal der TU. Die Organisatorinnen beschrieben ihre Vortragsserie in einer Preseaussendung folgendermassen: 4 Philosophinnen und 4 Architektinnen stellen 8 Ansichten, 8 Möglichkeiten mit Raum zu arbeiten, Raum zu verstehen dar.

Der interdisziplinäre Ansatz soll die Möglichkeit bieten, 2 “Wissenschaften” zu verknüpfen indem keine zum Objekt der anderen wird, keine zur Legitimation der anderen. Die Verknüpfungspunkte sollen sich nicht aus der möglichen gegenseitigen Nutzbarmachung ergeben, sondern aus dem Spannungsfeld der unterschiedlichen Definitionen oder dem unterschiedlichen Gebrauchswert gemeinsam verwendeter Begriffe, beginnend mit zweierlei Begriffen von Sprache - Sprache der Architektur (Formsprache/Plansprache) und Sprache der Philosophie. Das Nebeneinanderstellen der technischen und der theoretischen Bearbeitung von Raum ist ein Versuch hierarchische Wissenschaftlichkeit zu entflechten. Das wachsende Bedürfnis nach Architekturtheorie sollte sich dennoch nicht im Glauben an den Architekten als Universalisten erschöpfen.

Die eventuelle Neuordenbarkeit des, wegen bereits erfolgter Zerteilung, Neuzusammenfügenden, möge nicht nur Philotektur und Archesophie ergeben. Ursprung, Weisheit, Liebe und Raum sollten in einer permutativen Versuchsanordnung erforscht werden.

Die Ankündigung dieser Veranstaltung erfolgte per Presseaussendung an folgende Medien: Standard, Volksstimme, Kurier, Presse, Arbeiter  Zeitung, ORF, Profil, Salzburger Nachrichten, Neue Zeit, AUF, MOZ, sowie an Bauzeitschriften. Auf dem Gang vor dem Aktsaal wurde ein Büchertisch von der Buchhandlung “Frauenzimmer” aufgestellt. Eingeladen wurden Wiener und Niederösterreichische ArchitektInnen, sowie die Standesvertretungen.

Die Studentinnen stammten aus verschiedenen Semestern, die durch gemeinsame Kritik an der Studiensituation der Frau die Notwendigkeit erkannt haben, diese konkrete Situation aufzuarbeiten, darzustellen und soweit möglich auch zu verbessern.

5. Frauensomeruniversität in Linz

10. - 17. Juli in Linz

In einer Projektbeschreibung zur 5. Sommeruniversitä in Linz finden sich Themen wie Arbeitslosigkeit, Arbeitswelt von Frauen, das Spezialthema Faschismus, anläßlich 50 Jahre Okkupation uvm.

Wiederwahl der Referentinnen

In der 9. Ordentlichen Hauptausschußsitzung der HTU vom 4.11.88 wurde unter TOP 10 Wahl der Referentinnen wieder Uschi Hofbauer und Uta Wiegele gewählt.

Für das Studienjahr 89/90 stellten Uta und Uschi ihre Arbeit im HTU-Studienführer folgendermaßen dar:  Bild aus dem HTU Studienführer 1989/90