Technische Universität Wien
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Dörte Kuhlmann

Ihr Name und Ihr Titel

Ao.Univ.Prof. Dr. Ing. Dörte Kuhlmann

Geburtsjahr und Geburtsort

1968 in Hoya/Deutschland

Ihr Studium und eventuell Ihre spezielle Studienrichtung

Architekturstudium in Hannover und Wien bis 1993, Promotion an der Bauhaus Universität Weimar 1998 und Habilitation an der TU Wien 2002

Was ist Ihr Forschungsschwerpunkt und wie sind Sie zu ihm gekommen?

Ich befasse mich mit verschiedenen Forschungsfragen im Bereich der Architekturtheorie des 20. Jahrhunderts, insbesondere aber mit drei Bereichen: Aspekte der Organizismustheorie, Designtheorien und Genderstudies in der Architektur.

Was waren wichtige Ereignisse, Personen oder Gegebenheiten, die Ihren wissenschaftlichen/beruflichen Weg begleitet haben und Sie dazu geführt haben, was Sie heute machen?

Es gab immer wieder wichtige Personen, die mich unterstützt haben und von denen ich neue Impulse erhalten habe. Ganz besonders habe ich sicherlich von meinen Aufenthalten an einigen Universitäten in den USA profitiert. Auch die Jahre an der Bauhaus-Universität Weimar waren sehr prägend, denn hier boten sich mir ideale Forschungsbedingungen und daher war diese Zeit extrem wichtig für meinen beruflichen Werdegang. 

Glauben Sie, dass Ihr bisheriger Berufsweg beeinflusst wurde davon, dass Sie eine Frau sind? Was ist Ihnen aufgefallen?

Ja, ich bin immer wieder damit konfrontiert worden, dass ich mich dafür rechtfertigen musste, als Frau diesen Weg gewählt zu haben. Als junge Praktikantin wurde mir regelmäßig auf der Baustelle und in den Handwerksbetrieben die Frage gestellt: was hat eine Frau hier zu suchen? Zum Glück haben sich die Zeiten geändert und viele Vorbehalte gegenüber Frauen in der Baubranche sind inzwischen abgebaut worden. Jedoch ist festzuhalten, dass es Frauen hierzulande nach wie vor nicht so leicht haben, in wichtige Positionen aufzusteigen. Die vielzitierte gläserne Decke gibt es immer noch.

Wie sehen Sie die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben in ihrer Situation? Was unterstützt die Vereinbarkeit?

Da ich mich beruflich sehr engagiere, habe ich als Mutter immer ein schlechtes Gewissen, dass das Kind zu kurz kommt. Der Kindergarten der TU war sensationell gut, mit hervorragendem Personal und tollen Betreuungszeiten, was eine große Hilfe war. Jetzt ist das Kind in der Schule und die Situation hat sich radikal geändert. Die Schulen bieten nicht solch flexible Betreuungszeiten an und zudem sind die Eltern von Schulkindern, was z.B. die Hausübungen der Kinder anbelangt, wesentlich stärker gefordert. Mir würden sofort ein paar Dinge einfallen, wie man die Rahmenbedingungen für berufstätige Wissenschaftlerinnen mit Kindern generell verbessern könnte. Anderseits habe ich ein sehr gutes Arbeitsumfeld an der TU und wir unterstützen uns gegenseitig, wenn es erforderlich ist, weil z.B. ein Kind krank ist.

Haben Sie eine Empfehlung aufgrund Ihrer beruflichen Erfahrungen, die Sie weitergeben möchten?

Aufgrund meiner Erahrungen halte ich Frauenquoten in allen entscheidenden Gremien für dringend notwendig, zumindest so lange, bis die gleichwertige Beteiligung von Frauen eine Selbstverständlichkeit geworden ist.
 

Website: http://www.attp.tuwien.ac.at/

 

Interviewdatum: 14. Februar 2012